Amnesty International - Hochschulgruppe Zürich
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Jahresbericht 2017

03. Januar 2018



Die Amnesty International Hochschulgruppe Zürich besteht aus knapp zwanzig aktiven Mitgliedern, die zusammen verschiedenste Anlässe organisieren: Podiumsdiskussionen, Filmabende, Spendensammlungen oder Protestaktionen, um auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen. Die Hintergründe der AktivistInnen sind vielfältig – über Studierende der Politikwissenschaften, Recht oder Psychologie bis hin zu DoktorandInnen in Biologie oder Physik. Alle verfolgen ein gemeinsames Ziel: sich für die Einhaltung der Menschenrechte in der Schweiz und weltweit zu engagieren.
Das Jahr 2017 war für uns ereignisreich und spannend. Dank dem motivierten Engagement unserer Aktivmitglieder konnten wir eine Reihe interessanter Anlässe und Aktionen organisieren, auf die wir nachfolgend zurückblicken.



Herausforderungen für weibliche Flüchtlinge in der Schweiz

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Frauen sind schon während der Flucht der Gefahr ausgesetzt, Opfer von Gewalt und sexueller Ausbeutung zu werden. Aber auch in der Schweiz angekommen, sind sie mit vielen weiteren geschlechtsspezifischen Schwierigkeiten konfrontiert.
Im Rahmen des internationalen Frauentags organisierten wir am 9. März eine Veranstaltung über weibliche Flüchtlinge in der Schweiz. Natalie Trummer, Geschäftsleiterin von „Terre des Femmes“, wie auch Denise Graf, Asylexpertin von Amnesty Schweiz, berichteten uns von tragischen Geschichten und informierten uns über Asylunterkünfte, Asylverfahren und die jeweiligen geschlechtsspezifischen Diskriminierungen, mit denen geflüchtete Frauen in der Schweiz rechnen müssen. Spontan entschloss sich die Syrerin Ruha Säid zu erzählen, was sie auf ihrer Flucht nach Europa am eigenen Leib erlebt hatte. Den interessanten Abend liessen die vielen ZuhörerInnen bei einem grossen Apéro ausklingen.

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Orangenverkauf mit Terre des Hommes
Die Hochschulgruppe Zürich hat am 14. März zusammen mit „Terre des Hommes“ den traditionellen Orangenverkauf organisiert. Es wurden CHF 1'132.85 gesammelt: Alle Einnahmen wurden für den Zugang von Kindern zu Gesundheit und Ernährung gespendet.


Filmvorführung „Complicit“
In China werden unter prekären, teils menschenunwürdigen Bedingungen die Technologien hergestellt, die wir alle in unserem Alltag verwenden. Nicht einmal einen Franken mehr würde die Herstellung eines Smartphones kosten, würden die krebserregenden Chemikalien Benzol und Hexan durch ein weniger giftiges Mittel ersetzt. Für die Zulieferfirmen, Markenkonzerne und Händler scheint dieser Preis jedoch zu hoch. Dafür bezahlen die ArbeiterInnen der Fabriken, die diesen Chemikalien schutzlos ausgeliefert sind. Der Film „Complicit“ erzählt ihre Schicksale und zeigt ihren erbitterten Kampf um Genugtuung.
Am 20. März haben wir den Film an der Universität Zürich gezeigt. Danach bestand für die Zuschauer die Möglichkeit, der Regisseurin Heather White Fragen zu stellen.


Abendessen im Asylzentrum Lilienberg mit unbegleiteten Minderjährigen
Am Sonntag, den 2. April, besuchten wir das Zentrum Lilienberg für unbegleitete Minderjährige, um gemeinsam mit den Jugendlichen zu kochen und Abend zu essen. Bei den Vorbereitungen sahen wir uns mit der Aufgabe konfrontiert, ein Menü für bis zu 90 Jugendliche zu erstellen und für dieselbe Anzahl Personen einzukaufen. Bei schönem Wetter spielte nämlich etwa die Hälfte draussen, und so war nicht sicher, ob überhaupt jemand mit uns Zeit verbringen würde. Also kauften wir voller Optimismus, dass sich die Jugendlichen auf einen Kochabend mit uns einlassen würden und in der Hoffnung auf ein stürmisches Gewitter grosszügig ein.
Wir strebten einen schwedischen Tisch mit allerlei Gerichten an und verteilten diese auf acht „Koch-Posten“. Die ersten Jugendlichen begaben sich schon nach kurzer Zeit in die Küche und wurden von uns zu „Chefs“ der einzelnen Posten ernannt. So gelang es etwa Ramin in letzter Sekunde eine Amnesty-Kollegin daran zu hindern, heisses Wasser über 10 Tafeln Schokolade zu leeren (in der Absicht, sie zu schmelzen). Gut gemacht, Ramin.
Ein ganz besonderes Dankeschön gilt Chefkoch Edmohammad, der die gesamte Koordination der Küche übernahm und wesentlich zum kulinarischen Gelingen dieses Abends beitrug. Die ca. 30 motivierten Hobbyköche arbeiteten auf Hochtouren, sodass gegen 18.30 Uhr die Tische gedeckt waren und das Buffet eröffnet werden konnte. Es gab Pizza, Teigwarensalat, Kartoffelschnitze, Desserts und vieles mehr! Die Jugendlichen hatten riesigen Spass – und zu unserem Erstaunen hatten wir sogar die Mengen richtig kalkuliert.

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Kuchenverkauf zusammen mit der Studentische Interessengemeinschaft Recht
Zusammen mit dem Verein „Studententische Interessengemeinschaft Recht“ hat die Amnesty Hochschulgruppe Zürich am 3. und 4. April Geld für die Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA) gesammelt. Das Hauptziel der ZBA, die vollständig auf Spenden angewiesen ist, ist es, den Asylsuchenden in Zürich ein faires Verfahren zu ermöglichen.

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Benefizkonzert
Das diesjährige Benefizkonzert der Amnesty Hochschulgruppe fand am 13. Mai 2017 im Mundwerk in Oerlikon statt. Die Bühne teilten sich an diesem Abend vier Bands, die mit ihren unterschiedlichen und einzigartigen Auftritten die Gäste begeisterten: Tree aus Winterthur, Teist und Bluestone aus Bern und Max Apollo aus Zürich. Dank der intensiven Vorbereitung unserer Mitglieder, der Hilfsbereitschaft des Mundwerk-Teams und der grandiosen musikalischen Unterhaltung wurde der Event zu einem echten Erfolg.
Insgesamt wurden über CHF 2’500 zusammengetragen, die der in Kambodscha agierenden Schweizer Organisation Smiling Gecko gespendet wurden. Kambodscha litt seit Mitte des letzten Jahrhunderts unter jahrzehntenlangen Bürgerkriegen, den Auswirkungen des Vietnamkriegs und der Schreckensherrschaft der Roten Khmer. Als Folge davon zählt Kambodscha heute zu den ärmsten Ländern der Welt. Allein in der Hauptstadt Phnom Penh leben zehntausende Kinder auf der Strasse und sind Hunger, Krankheit und Missbrauch ausgesetzt. Smiling Gecko hat es sich zum Ziel gesetzt, der Bevölkerung Kambodschas nachhaltig eine gesicherte Lebensgrundlage bieten.

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Urgent Action für verfolgte Aktivisten
Am Dienstag, 10. Oktober, war es wieder so weit: Von morgens um 10 Uhr bis zur Nachmittagspause um 16 Uhr haben wir am Haupteingang der Universität so viele Unterschriften wie möglich gesammelt. Dieses Mal haben wir Urgent Actions für eine LGBT-Aktivistin in Russland und die Befreiung eines Karikaturisten in Äquatorialguinea verschickt.
Die LGBT-Aktivistin Evdokia Romanova hat in Russland auf verschiedenen Social-Medias-Seiten Beiträge für die Gleichstellung von LGBT-Mitgliedern geteilt. Die diversen Anschuldigungen lassen sich als «Propaganda für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen» zusammenfassen: Sie wurde schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe in der Höhe von 50'000 Rubel verurteilt. Romanova und ihr Rechtsbeistand werden gegen die Entscheidung Rechtsmittel einlegen.
Der Karikaturist Ramón Esono Ebalé hatte seine Regierung in Äquatorialguinea im Internet kritisiert und wurde, nachdem er seinen Pass letzten September in Malabo erneuert hatte, festgenommen. Besonders interessant ist dieser Fall aus Sicht der Schweiz, wurden doch im letzten Jahr 23 Luxusautos des Präsidentensohns in Genf beschlagnahmt, weil er in der Schweiz und in Frankreich wegen Geldwäscherei angeklagt ist. Der Karikaturist, der ebendiese ungleiche Wohlstandsverteilung und Menschenrechtsverletzungen parodierte, sitzt bis heute hinter Gittern.


Unterschriftensammlung an der Filmpremiere von „Willkommen in der Schweiz“
Eine kleine Gemeinde im Kanton Aargau entschied im Herbst 2015, lieber eine Strafgebühr von knapp 300'000 Franken zu bezahlen, als Asylsuchende aufzunehmen. Die Geschichte verbreitete sich in ganz Europa. Die Schweizer Regisseurin Sabine Gisiger entschied daraufhin, die Vorgänge in dieser Gemeinde genau zu verfolgen. Entstanden ist der Film "Willkommen in der Schweiz!": Erzählt wird die Geschichte eines gespaltenen Dorfs.
Amnesty International Schweiz ist Partnerorganisation dieses Dokumentarfilmes. Die Hochschulgruppe war an der Filmpremiere am 19. Oktober im Kino RiffRaff in Zürich dabei und hat Unterschriften für den Dublin-Appell gesammelt. Dieser fordert, dass die Schweiz ihren Ermessensspielraum bei der Anwendung der Dublin-Verordnung ausnutzt und dabei besonders verletzliche Personen stärker schützt.


Vortrag über die allgemeine regelmässige Überprüfung der Menschenrechtslage in der Schweiz
Die allgemeine regelmässige Überprüfung (Universal Periodic Review, UPR) ist eines der wichtigsten Instrumente des UNO-Menschenrechtsrats mit Sitz in Genf. Sie dient dazu, eine Bestandsaufnahme der Menschenrechtslage in allen UNO-Mitgliedstaaten nach einem festen und berechenbaren Zeitplan vorzunehmen und den Ländern in dieser Hinsicht konkrete Empfehlungen zu unterbreiten. Die Menschenrechtslage jedes UNO-Mitgliedstaats wird von den anderen Mitgliedstaaten analysiert und beleuchtet. Grundlage dafür sind der Bericht des betroffenen Staats, die vom UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte gesammelten Informationen und die Informationen der Zivilgesellschaft. Sämtliche Mitgliedstaaten der UNO müssen sich alle fünf Jahre einem UPR unterziehen: Die Schweiz wurde im November 2017 zum dritten Mal überprüft.
Die Amnesty Hochschulgruppe Zürich hat am 24. Oktober zusammen mit den UN-Youth Rep einen Informationsabend dazu organisiert. Martina Schmidt von der Abteilung für menschliche Sicherheit (EDA) beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten gab den zahlreich erschienenen Interessierten einen Einblick in das Zustandekommen des Staatenberichts und erklärte den Ablauf eines solchen UPR vor dem UN-Menschenrechtsrat. Anschliessend nahm Alain Bovard, Jurist bei Amnesty International Schweiz, darauf Bezug und kritisierte die Schweiz unter anderem wegen ihrer mangelnden Bereitschaft, eine staatliche Menschenrechtsinstanz zu schaffen. Die Diskussion zeigte auf, dass der Spielball bezüglich Menschenrechten trotz grosser Bereitschaft der Bundesverwaltung bei der Politik und besonders bei den Kantonen liegt.


Gruppenausflug an den UNO-Hauptsitz in Genf

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Im Zusammenhang mit dem Vortrag über die Menschenrechtslage in der Schweiz vom 24. Oktober, reisten wir am 8. November nach Genf zur Versammlung des UN-Menschenrechtsrats. Nach der Übernachtung in der Jugendherberge ging es früh am nächsten Morgen Richtung Palais des Nations, wo die Vereinten Nationen die Menschenrechtslage in der Schweiz zum dritten Mal unter die Lupe nahmen. Während des dreieinhalbstündigen Dialogs durfte jedes UN-Mitgliedsland zur Schweizer Umsetzung der Menschenrechte Stellung nehmen und entsprechende Empfehlungen äussern.
Viele Delegierten sahen unter anderem bei Themenfeldern wie Fremdenfeindlichkeit, Schutz der Arbeitsmigranten, Rassissmus, häuslicher Gewalt wie auch der Verantwortung der in der Schweiz sesshaften Firmen Verbesserungspotenzial. Es war ein spannender und lehrreicher Ausflug, der uns allen einen einmaligen Einblick in die Welt der Diplomatie gab.

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Filmvorführung „The Missing Picture“
Am 14. November hat die Hochschulgruppe Zürich in Zusammenarbeit mit der Filmstelle den Film "The Missing Picture" von Rithy Pahn gezeigt. Mit Tonfiguren schafft Pahn ein eindrucksvolles Bild der verzweifelten kambodschanischen Bevölkerung, die unter der Schreckensherrschaft der kommunistischen Guerillabewegung, den Roten Khmer, leidet. Zwischen 1975 und 1978 wird die Bevölkerung unter anderem zur harten Arbeit auf den Reisfeldern gezwungen. Zwischen 1,7 und 2,2 Millionen Menschen sterben an Hunger, Krankheiten oder werden hingerichtet. Als einziger Überlebender seiner Familie versucht Rithy Phan die Grausamkeit der kommunistischen Utopie festzuhalten.


Ausstellung „Meine Geschichte, Mein Recht“
“Menschenrechte sind nicht selbstverständlich – auch nicht in der Schweiz. Persönlich und bewegend erzählen uns Menschen, was es bedeutet, wenn Grundrechte verletzt werden und wie sie für ihre Rechte kämpfen.”
Diese Geschichten hat “Schutzfaktor M” als Wanderausstellungen aufbereitet: Wir haben im Vorfeld des Internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember die Ausstellung im Lichthof der Universität Zürich präsentiert.


Briefmarathon für den Tag der Menschenrechte
Amnesty International organisiert jedes Jahr um den Tag der Menschenrechte einen Briefmarathon: Zahllose Menschen auf der ganzen Welt schreiben Hunderttausende von Briefen für Gewissensgefangene und Personen, die aufgrund ihres Engagements für die Menschenrechte in Gefahr sind. Diese Briefe werden anschliessend an die Regierung, die Staatsanwälte usw. des jeweiligen Landes geschickt in der Hoffnung, Druck auszuüben und an der Situation der Betroffenen etwas zu ändern.

Dieses Jahr haben wir für folgende Fälle Briefe verschickt:
Ni Yulan, China: So schwer misshandelt, dass sie heute im Rollstuhl sitzt. Sie verteidigt die Rechte von Menschen, die aus ihren Wohnungen vertrieben werden.

Hanan Badr el-Din, Ägypten: Eingesperrt, weil sie sich gegen das gewaltsame Verschwindenlassen von regierungskritischen Menschen einsetzt, seit ihr Ehemann 2013 verschwunden ist.

Taner & “Istanbul 10”, Türkei: Wegen ihres Engagements für die Menschenrechte werden der Präsident von Amnesty International Türkei, Taner Kiliç, sowie die Direktorin, Idil Eser, zusammen mit neun anderen MenschenrechtsverteidigerInnen immer noch unter absurden Anschuldigungen verfolgt.

Mahadine, Tschad: Journalist in Tschad, hat im September 2016 ein Video auf Facebook gepostet, das die Korruption der Regierung im Tschad kritisiert. Er wurde daraufhin auf offener Strasse aufgegriffen, eingesperrt und gefoltert.

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Wir möchten allen danken, die unsere Veranstaltungen und Aktionen mit Kuchen, Spenden, Unterschriften etc. unterstützen und besuchen. Ein grosses Dankeschön geht auch an all unsere Aktivmitglieder für ihr wertvolles Engagement!

Ein frohes neues Jahr wünschen
Simona und Aina